Wenn 3 Türken Skifahren gehen

Im Winter 2001/2002 bot unser Professor der Volkswirtschaftslehre ein Seminar zum Thema „Volkswirtschaftliche Bedeutung der Automobilindustrie“ an. Erstmal nichts Ungewöhnliches. VWL-Seminare werden jedes Semester angeboten und in unserem Studiengang war es Pflicht, eines dieser zu belegen.

Das Seminar dieses Professors war jedoch ungewöhnlich, da es in einem Skigebiet stattfand. Fern von Hörsaal und Bibliothek. Hoch oben auf den Alpen. Wow, die Gelegenheit konnten wir uns drei Türken natürlich nicht entgehen lassen. Mal ehrlich, wie viele Südländer kennen Sie, die einen Skiurlaub machen?

Ein Skiurlaub war es in dem Sinne natürlich nicht. Bis 16 Uhr waren wir freigestellt. Danach wurde bis ca. 21 Uhr referiert, präsentiert und diskutiert. Zuvor hatte jeder seine Seminararbeit fertiggestellt und abgegeben.

Und was macht man in einem Skigebiet, wenn man von morgens bis nachmittags nicht zu tun hat? Natürlich, man versucht sich im Skifahren oder Snowboarding. Ich selbst habe nach dem Anprobieren und ein wenig Laufen in den Skischuhen aufgegeben. Ich bin dann doch der klassische Sommerurlauber, obwohl es da oben auf dem Berg nicht unangenehm kalt war.

Auch ohne sportliche Betätigung macht auch Skiurlaub in Italien Spaß. Insbesondere tat es das für mich, als ich meine zwei Kollegen snowboarden sah. Naja, ganz so konnte man es nicht bezeichnen.

Während deutsche Skitouristen selbst als Anfänger noch eine gewisse Ästhetik auf Skiern und Boards zeigen, wirkten meine beiden Kollegen wie zwei Tanzbären beim Drahtseilakt. Ihr Herumwälzen im Schnee wurde eigentlich nur durch sekündliche Momente auf dem Snowboard unterbrochen.

Im Gegensatz zu anderen, die den Abhang mehr oder weniger herunterglitten, mussten sich meine Kommilitonen alle fünf Sekunden einmal auf den Boden werfen. Freiwillig geschah dies nicht.

Entsprechend weh tat es dann auch. Zu meinem Vorteil. Fortan konnte ich mit körperlichen Strafmaßnahmen, wenn das gemeinsame Zimmer nicht in Ordnung gehalten wurde. Obwohl beide mindestens einen Kopf größer als ich sind, war dies dank der Blessuren möglich 🙂

Nichtsdestotrotz war die Woche im Skigebiet absolut toll. Wir Türken bringen natürlich nicht die Geduld auf, alles von Grund auf zu erlernen. Es muss schnell gehen. Wir wollen gleich die schwarze Piste herunterrasen und dabei den Wind im Gesicht spüren. Meist ist es das erste und letzte Mal dann, wogegen Nordeuropäer das Skifahren vernünftig lernen und regelmäßig ausüben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.