Ägypten – unvergessliche Abenteuer am Nil

Ägypten hat ein breites Angebot an Freizeitmöglichkeiten zu bieten, lässt aber auch für den abenteuerlustigen Urlauber keine Wünsche offen. Beeindruckende Unterwasserwelten mit tausenden bunt schillernden Fischen locken Taucher an, atmosphärische Wüstentouren und traumhafte Sonnenuntergänge machen den Traum von 1001 Nacht greifbar. Ein Erfahrungsbericht über den Urlaub in der bekannten ägyptischen Metropole Hurghada.

Urlaub in geschichtsträchtiger Epoche

Wir hatten uns den arabischen Frühling zunutze gemacht, jene Zeit, in der die Regenten der arabischen Welt durch das Volk in die Knie gezwungen wurden, um in Ägypten einen ausgelassenen und vor allem günstigen Urlaub zu verbringen. Die Preise für Flüge und Hotels waren, bedingt durch die Revolution, im Keller und eine Woche Hurghada erschien uns als ideale Gelegenheit, die ägyptische Kultur zu erleben und am roten Meer tauchen zu gehen.

Schon bei der Landung spürte man, wie angespannt die Lage beim Flughafenpersonal war. Am Tahir-Platz in Kairo zog es die Menschen gerade auf die Straße, um für die Entmachtung des langjährigen Präsidenten Mubarak zu demonstrieren. Dementsprechend waren sich die Staatsbediensteten offenbar uneins, auf welcher Seite sie stünden. Die Sicherheitskontrollen wurden lapidar durchgeführt und schon bald wurden wir mit dem Bus ins menschenleere Hotel verfrachtet.

 

Ein bezahlbarer Luxusurlaub

Die Hotelanlagen in Hurghada strotzten vor Exklusivität. Auf einen Hotelgast kommen, so scheint es, mehrere Bedienstete, die in feinster Manier für Servicedienstleistung zur Verfügung stehen und zumeist auch der deutschen oder englischen Sprache mächtig sind. Das Angebot an Animation ist so reichhaltig, dass die Wahl der Freizeitaktivitäten schwer fällt. Das Buffet ist zu jeder nahezu jeder Tageszeit geöffnet und lässt keine kulinarischen Wünsche offen.

In der Stadt Hurghada selbst, welche direkt am roten Meer gelegen als Touristenmagnet gilt, tummelt sich das wilde Leben. Bunte Geschäfte säumen die Promenaden, überall wird man herzlich auf einen Tee (oder eine Wasserpfeife) empfangen, um ein völkerverständigendes Gespräch zu führen. Selbstverständlich bleibt der Verkaufsaspekt der Händler dabei nicht aus. Jeder kennt jemanden, der die einzigartigsten Waren in der ganzen Stadt anbietet und sich über einen Besuch freut. Nimmt man das Ganze mit etwas Humor kommt man schnell mit vielen Ägyptern ins mitunter sehr persönliche Gespräch. Auch Themen wie Politik und Religion können heiss diskutiert werden, sodass der Gesprächspartner am Ende des Tages auch nicht enttäuscht ist, wenn doch nichts gekauft wird.

 

Rotes Meer lockt mit magischer Unterwasserwelt

Im Zentrum der touristischen Aktivitäten steht die faszinierende Unterwasserwelt des roten Meeres. Mit einer imposanten Yacht sticht man mit kleinen Touristengruppen in See, um von dort aus Tauchgänge zu unternehmen. Neben den phantastischen Korallenriffen bestaunt man farbenfrohe Fischschwärme, böse dreinblickende Muränen und majestätisch anmutende Minihaie durch die Taucherbrille. Vorsicht ist jedoch beim begleitenden Tauchpersonal geboten – die durchaus hilfsbereiten Begleiter scheinen auf die weiblichen Touristinnen ein gesondertes Auge zu werfen. Es ist ratsam direkt klar zu stellen, dass hier keinerlei Interesse besteht, wenn man die Tauchlehrer nicht durchgehend an seiner Seite haben möchte.

 

Unnachahmliche Wüstenatmosphäre

Vor den Toren der Stadt Hurghada erstreckt sich die ägyptische Wüste und lockt mit einer Vielzahl an Angeboten für Quad-Fahrten. Mit Sonnenbrillen und Palästinensertuch ausgestattet rast man im Verbund mit anderen Quads durch den trockenen Wüstensand und erreicht damit mitunter sehr beachtliche Stundenkilometerzahlen. Ziel der Fahrt ist zumeist ein Nomadendorf, welches hinter riesigen Steinhügeln versteckt, in Autonomie zur ägyptischen Gesellschaft lebt. Von dort werden Wüstentouren auf dem Kamel angeboten, jenem beeindruckendem Wüstentier, das bis zu 200 Liter Wasser trinken und speichern kann und über Wochen in der Wüste ohne Nahrung überleben kann. Ganz solange zieht sich die Wüstentour allerdings nicht hin, schließlich erwartet einen bei der Rückkehr in das Nomadendorf ein Festmahl nach traditioneller Art. Im Nachgang sitzt man gemütlich bei einer Shisha (Wasserpfeife) mit den Nomaden zusammen, bestaunt die imposante Kulisse der Berglandschaft und versucht mit Händen und Füßen von der eigenen Heimat und dem Leben in der Wüste zu erzählen.

 

Vorsicht ist geboten

Zurück in Hurghada schlugen wir uns ins Nachtleben und wanderten die hübsche Promenade der „unteren Stadt“ entlang. Plötzlich waren wir von einer Gruppe von Jungen und Mädchen umgeben, die fieberhaft versuchten, Schals und Stoffe an den Mann zu bringen. Erst nach langem und leider auch unumgänglich lautstarkem Argumentieren gelang es uns, die jungen Leute von unserem Desinteresse zu überzeugen. So dachten wir zumindest – denn im Hotel stellten wir fest, dass uns das Portemonnaie aus der Handtasche entwendet wurde. Schlimmer noch: die Flugtickets und Ausreisedokumente fehlten.

Nachdem wir unsere Reiseleitung verständigt hatten, machten wir uns auf zum Ort des Geschehens. Die hiesige Polizeipatrouille wusste sofort was vorgefallen war, in Zeiten des arabischen Frühlings käme es immer wieder zu derartigen Übergriffen, bedingt durch die rückläufige Effizienz des Polizeiapparats. Wir wurden gebeten die Tourist-Police aufzusuchen. In einer heruntergekommenen Wohnung hatte diese Quartier bezogen und der Kommissar vom Dienst ließ uns lange in seinem Büro warten, in dem es vor Fliegen wimmelte, scheinbar kein intaktes Möbelstück mehr existierte und ein Fernseher lautstark das Programm des arabischen Fernsehsenders Al Jazeera präsentierte. Der Kommissar händigte uns schließlich ein unverständliches Dokument aus, in dem wir zwischen arabischer Schrift unsere Unterschriften setzen sollten. Dann wurden wir entlassen.

 

Glück im Unglück

Zurück im Hotel bat uns die Reiseleitung, die örtliche deutsche Botschaft aufzusuchen. Nachdem uns der Taxifahrer durch die halbe Region chauffierte, gelang es uns letztendlich mit Hilfe von in Hurghada ansässigen Franzosen die Botschaft zu finden. Dort begrüßte uns ein Diplomat im Alter eines Senioren mit Hornbrille und Tropenhut und eröffnete uns sogleich, dass sich unser Abflug in jedem Fall verzögern würde. Er empfahl uns einen Nachtbus nach Kairo zu nehmen und im dortigen Konsulat um Hilfe zu bitten.

Verwirrt und erschüttert kehrten wir ins Hotel zurück, wo uns der Reiseleiter beiseite nahm. Er hatte über Beziehungen Kontakt zum lokalen Militär hergestellt und uns einen Verbindungsmann beschafft. Mit diesem fuhren wir zu einem Militärstützpunkt und hinter martialisch anmutenden Schützenpanzern samt schwerbewaffneter Besatzung klopften wir schließlich an die Bürotür eines Brigadegenerals. Mit erleichternder Heiterkeit und Aufgeschlossenheit fragte dieser nach unserer Situation und ein Fax genügte, um die nötigen Dokumente für die Ausreise zu erhalten. Als der Brigadegeneral dann noch nach unserem Facebook-Kontakt fragte, fiel die Angespanntheit endgültig von uns ab. Der Austausch mit dem Herrn besteht bis heute.

 

Immer eine Reise wert!

Ägypten hat viele Freizeitaktivitäten und Entspannungsmöglichkeiten zu bieten, vor allem überzeugt das Land aber, wenn man unter die Oberfläche des Tourismus schaut und sich ins Gespräch mit den Einheimischen wagt. Der über Jahrtausende entstandene Nationalstolz der Ägypter ist bemerkenswert, ebenso wie die Aufgeschlossenheit gegenüber Fremden.

Ein Urlaub in diesem Land ist hochgradig empfehlenswert, nur auf die Wertsachen sollte man immer ein Auge haben. Besonders Abenteurer kommen in Ägypten auf ihre Kosten!

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